Erfahrungsbericht: Europäische Jugendkonferenz in Helsinki vom 1.-3. Juli 2019

Vom 1. bis zum 3. Juli hatte ich die Gelegenheit, den Rat der deutschsprachigen Jugend (RDJ) in der zweiten Jugendkonferenz dieses Jahres zu repräsentieren. Mein Name ist Till Lentzen und ich bin seit einem Jahr als Vertreter der Pfadfinder Hohe Seen im RDJ aktiv. Auf der RDJ-Veranstaltung „Bratwurst for Christmas 2.0“ konnte ich mich als Interessent einschreiben, um mit einer Repräsentantin unserer Regierung, Lena Pankert, nach Helsinki zu fliegen, mit dem Ziel, am dort stattfindenden Jugenddialog teilzunehmen.

Was ist die EU-Jugendkonferenz?
Diese Jugendkonferenz oder auch EU-Jugenddialog ist ein Programm, das allen jungen Staatsangehörigen der EU ermöglichen soll, ihre Meinung zu äußern und von den jeweiligen Regierungen gehört zu werden. Er bietet ebenfalls die Gelegenheit, sich mit Experten, Forschern und anderen wichtigen sozialen Teilnehmern auszutauschen. Dies ist ganz sicher nicht sehr einfach auf einer so großen Ebene, mit rund 240 Teilnehmern, erst recht, wenn nicht jedes Land dieselbe Definition für Jugendarbeit hat, welches das Thema der Jugendkonferenz in Helsinki war.

Daher wurden wir am Montag den 1. Juli im frühen Nachmittag im Marina Kongress Zentrum in Helsinki empfangen, um uns in kleinere Themengebiete aufzuteilen:
• Nachhaltigkeit und Jugendarbeit
• Multikulturelle Jugendarbeit
• Digitalisierung und junge Menschen
• Zukunft der Arbeit und Einstellungsmöglichkeiten der jungen Leute
• Zugänglichkeit und Zugang zu den gebotenen Diensten
Die verschiedenen Themengebiete wurden ebenfalls in Unterkategorien unterteilt. Diese Gruppen, von 5-8 Personen haben sich dann zusammengesetzt, um sich auszutauschen und verschiedene Ideen vorzutragen.

In den Momenten, in denen wir nicht in kleiner Gruppe zusammensaßen, haben wir verschiedenen Rednern zugehört, die über diverse Aspekte der Jugendarbeit sprachen. Am ersten Tag hat Annika Saarikko, die finnische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, mit uns gesprochen und erklärt, was Finnland bereits für Projekte für seine Jugend hat.
Nach jeder größeren Aktivität hat jede Gruppe kurz vorgestellt, worüber sie gesprochen hat. In den kurzen Momenten Freizeit haben wir uns dann miteinander austauschen können, was zu sehr interessanten Gesprächen führte.

Am ersten Abend wurde es Zeit für ein bisschen Kultur. Wir sind mit der Fähre auf die ehemalige Festungsinsel Suomenlinna gefahren und haben dort zu Abend gegessen. Dadurch entdeckten wir auch etwas über unser Gastland.

Der Dienstag, unser einziger vollständiger Tag in Helsinki, war sehr vollgeplant. Am Morgen ging es mit der interaktiven Vorstellung eines Forschungsprojektes los, in dem junge Menschen an legalen Prozessen teilnehmen können. Dabei war das Ziel, dass wir kleinere Gemeinschaften gründen und aktiver an der Gesellschaft teilhaben. Danach durften wir einen Vortrag über die Ausbildung der Jugendarbeiter in Europa anhören.

Direkt nach dieser Präsentation ging es über zu Dr. Howard Williamson, der einen Austausch zwischen Jugendarbeit-Studenten, Jugendarbeit-Trainern und Erziehern geleitet hat. Diese Diskussion hat ganz neues Wissen in den Köpfen der Zuhörer verankert. Geendet hat der Vormittag mit einer Präsentation über Erasmus+, was mich als ehemaliger europäischer Freiwilliger am meisten interessiert hat.

Nach einer ausgiebigen Mittagsmahlzeit hatten wir Ausflüge. Jede Gruppe begab sich zu einem anderen Projekt, in dem uns diverse Jugendarbeit vorgestellt wurde. Dies war außerdem eine großartige Gelegenheit, durch die Stadt zu schlendern und sich das ein oder andere Gebäude näher anzuschauen.

Das Abendprogramm beinhaltete so Einiges: Als erstes gab es eine Einladung zum Rathaus, wo gespeist und getrunken wurde. Im Anschluss gab es einen kleinen Umtrunk mit Musik in einer der anliegenden Bars. Für die Wackersten unter uns ging es danach noch in eine Karaokebar.

Der Mittwochmorgen war für den ein oder anderen sichtbar anstrengend. Jedoch gab es kein Pardon und wir hatte die erste Gelegenheit, unsere Meinung zum bereits erlebten zu äußern. Da unser Fortschritt ebenfalls von Forschern begutachtet wurde, haben diese gleichfalls ihre Meinung vertreten. Zum Schluss wurde die nächste Etappe des Jugenddialogs in Kroatien vorgestellt. Bevor es dann zum Flughafen ging, haben wir in einer kleinen Gruppe die paar Stunden Freizeit genutzt und haben das oder andere Museum besucht.

Mein persönliches Feedback

Als ich mich eingeschrieben habe, fühlte ich mich sehr unvorbereitet. Die National Working Group (NWG) Ostbelgiens hat mich jedoch sehr gut empfangen und mir ein wenig Lektüre ans Herz gelegt. Danach fühlte ich mich schon etwas selbstsicherer und in meinen Augen, muss man vor allem offen sein. Offen sein, um neues zu lernen und neue Menschen kennenzulernen. Wichtig ist vor allem, sich nicht immer zu beschweren und über Politik zu lästern, sondern an so einem Projekt teilzunehmen und live zu sehen, was alles so passiert und für die Jugend unternommen wird.